Magie und Mythos

Ein reiches Land an Faszinationen kultureller und geologischer Art im südostasiatischem Raum – die Rede ist von Kambodscha. Eine Destination, die Reisedesignerin Rabea Rall auf einer 14-tägigen Reise bereiste und einen ganzen Koffer an geistigen und materiellen Eindrücken mit nach Hause nahm.

Ein reiches Land an Faszinationen kultureller und geologischer Art im südostasiatischem Raum – die Rede ist von Kambodscha. Eine Destination, die Reisedesignerin Rabea Rall auf einer 14-tägigen Reise bereiste und einen ganzen Koffer an geistigen und materiellen Eindrücken mit nach Hause nahm.

Meine Reise begann in Siem Reap: die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und gleichzeitig das Tor, das zu den Ruinen von Angkor führt. Ich meinte, ich war zwar schon öfter im asiatischen Raum unterwegs gewesen, mag sehr wohl auch was über die Ruinen von Angkor gelesen haben, aber diese großen Tempelanlagen von Angkor Wat sind schon eine gigantische Nummer. Und mit gigantisch meine ich auch gigantisch! Es handelt sich ja schließlich um die weltgrößte Tempelanlage. Und die Geschichte, die mit diesen Tempeln einhergeht, ist nicht weniger spektakulär. Der Guide erzählte uns während dieses wunderschönen Sonnenaufgangs nach und nach davon, dass die ungewöhnliche Ausrichtung nach Westen nicht von ungefähr kommt: Es ist die Himmelsrichtung des Todesgottes Yama und folglich standen wir hier vor dem Totentempel von Suryavarman II.

Angkor Thom und die riesigen beeindruckenden Steinköpfe des Bayon Tempels, die wir uns anschließend ansahen, gehen mir noch heute nicht aus dem Kopf. Der spätere Nachfahre Suryavarman VII. hatte diese im zwölften Jahrhundert etwa einen Kilometer von Angkor Wat entfernt als Haupttempel errichten lassen. Noch heute scheint es, als ob die Köpfe weiterhin über die Natur, die Welt und die Menschen von hier aus wachen.

Die Nächte zwischen den Tempelbesichtigungen verbrachte ich zunächst im Hotel Phum Baitang und anschließend im zentrumsnäheren und ruhigen Boutique Hotel Amansara. Von der ganzen Lauferei durch die Tempelanlagen waren meine Füße ganz schön müde geworden, das von weiblichen Wolkengeistern inspirierte Apsara Ritual des Spa-Bereichs sorgte glücklicherweise dafür, dass mein Körper sich sehr schnell wieder erholte.

Den Tempeln und Ruinen den Rücken gekehrt, betrat ich die Aqua Mekong. Das Schiff steht für Moderne, fantastische Guides und originelle Gerichte. Zweimal täglich ging‘s ans Festland. Eine Tour war etwas ruhiger und kultureller angehaucht, die andere actiongeladener mit Kajak- und Radtouren. Also für jeden was dabei!

Ich entschied mich zuerst für die etwas ruhigere Variante: ein Ausflug, bei dem ich mich durch lokale Spezialitäten und ausgefallene Lebensmittel durchprobierte. In silbernen Metallschälchen häufte sich exotisches Gemüse, Kraut und Co; in kleinen runden Plastikbehältern waren Gewürzmischungen pikanter, milder und außergewöhnlicher Art.

Am nächsten Tag entschied ich mich für die sportliche Variante und schwang mich auf den Fahrradsattel.

Wir fuhren am nie enden wollenden Mekong vorbei und zogen an den Hütten und Häusern unberührter Dörfer vorbei. An den Straßenrändern grüßten lachende und enthusiastisch winkende kleine Kinder. Sie strahlten so viel Lebensfreude aus, obwohl Kambodscha nicht gerade ein Land des Wohlstands ist. Mit wenig materiellem Reichtum so zufrieden zu sein, finde ich beindruckend.

Die Tage vergingen hier wie im Fluge. Ehe man sich versah, war man schon beim Sundowner angelangt. Wie ich ja schon eingangs erwähnt hatte, erwarteten hier einen neben den prickelnden Cocktails auch außergewöhnliche Snacks. Anstelle von Chips standen frittierte Heuschrecken auf dem Plan. Für uns vielleicht etwas ungewöhnlich und der ein oder andere von uns ekelt sich bestimmt auch etwas davor. Aber hat sich einmal überwunden, empfindet man die Heuschrecken gar nicht mehr so schlecht: Im Gegenteil, sie schmecken sogar ganz lecker! Ist mal eine etwas andere Art von Fingerfood und Snack.

Heuschrecken, Gemüse und Co – das kannte ich von anderen asiatischen Gefilden, aber dass was anschließend auf dem Tablett stand, hatte ich noch nie zuvor probiert: eine Tarantel. Unser Guide meinte: „If you never try, you never know“. Wenn man es niemals probiert, kann man es auch nicht wissen, wie es schmeckt. Ein überzeugendes Argument! Also Augen zu und durch.

Und das Resultat nach meiner ersten Tarantel: Außergewöhnlich – aber nicht schlecht!

Nächster Zwischenstopp: Shinta Mani Wild!

Und wild bedeutet hier in mehrfacher Hinsicht wild! Der Dschungel rund um das Hotel ist wild gewachsen und ebenso wild ging es auch bei der Ankunft zu. Statt Luxuslimo, Privatjet und Co. erwartete mich einer der offenen Jeeps. Kaum hatte man mir beim Gepäck aufladen geholfen, ging die Tour durch die wilde Wildnis so richtig los:

Holprig, rauschende Wasserfälle und viel saftiges Grün.

Und dann stoppte der Jeep mit einem Mal!

Wir stiegen einen Turm hinauf und fuhren schließlich mit einer Zipline ins Camp. Eine spektakulärere Anreise hätte ich mir nicht vorstellen können…

Schon nach meinem ersten Schritt ins Camp dachte ich nur: Wow!

Alles sieht hier so natürlich aus, gleichzeitig aber auch so luxuriös. Jedes Zelt ist einzigartig, hat seinen ganz besonderen Charme. Bill Bensley weiß wirklich, wie man ein Hotel perfekt designt – Dschungel und Hotel gehen hier fließend ineinander über.

Ich werde den einen ganz besonderen Abend am Flusslauf in Shinta Mani Wild nicht so schnell vergessen: Überall waren Lichter aufgestellt, das Lagerfeuer knisterte und der Cocktail schmeckte richtig lecker. Die Stimmung war an diesem Abend gelassen. Jeder stressige Gedanke fiel hier ins Wasser und wurde vom Fluss davon getrieben. So entspannt saß ich schon lange nicht mehr, genoss einen tollen Cocktail und wurde mit einer wunderbaren Fußmassage verwöhnt. Es war einfach zeitlos, mir ging es einfach nur gut. Ich dachte nur an das Hier und Jetzt. Relaxing pur!

Vom Dschungel zum türkis-blauen Nass und wunderschönen weißen Sandstränden: die Reise vom Shinta Mani Wild zum Song Saa war ein etwas größerer Wechsel, was die Farben und Atmosphäre anging.

Beides hat seinen ganz eigenen Charme für mich. Was mir an diesem schönen Barefoot Luxury Resort besonders gefiel, waren die Atmosphäre abends in der Overwater Bar. Von hier aus den Sonnenuntergang zu genießen, während man mit dem Strohhalm in dem Cocktail die Eiswürfel herumwirbelte – einfach unbezahlbar. Wer auf romantische Sonnenuntergänge steht, sollte Song Saa mindestens einmal in seinem Leben einen Besuch abgestattet haben.

Von einem Paradies ging es wenig später auch schon zum nächsten Paradies: dem Six Senses Krabey Island. Hier erwarteten mich helle Villen und ein sage-und-schreibe 2000 Quadratmeter großes Spa, also ein wahrhaftes Paradies der Entspannung. Ja, Six Senses. Ich habe schon öfter über die Bedeutung gegrübelt: die regulären fünf Sinne – also das Sehen, das Hören, das Schmecken, das Riechen, das Fühlen – waren unsere bewussten Sinne. Der sechste Sinn beschreibt, was wir unbewusst wahrnehmen. Und als ich an einem frühen Morgen auf der Yogaplattform, dem höchsten Punkt des Resorts, Yoga machte, wurde mir klar, warum die Kette zurecht den Namen trägt.

Ein weiterer, traumhafter Ort auf meiner 14-tägigen Reise war das Alila Koh Russey. Bei Tageslicht kam es mir wie ein tolles und sehr modernes Badehotel vor. Bikini ausgepackt und rein ins unbeschreiblich kühle Nass. Die lange Badebucht bat sich ja super zum Baden an. Die Sonne schien, das Personal war supernett und aufmerksam, sodass keine Wünsche offen blieben. Schon jetzt wirkte das alles hier wie eine einzig wahre Idylle.

Den Abschluss meiner Reise macht der Aufenthalt im Rosewood Phnom Penh: die Lage ist wirklich perfekt, um die Stadt zu erkunden. In der Rooftop-Bar ließ ich bei einem leckeren Cocktail die traumhafte Reise noch einmal Revue passieren und genoss von hier aus den Blick auf die Flussläufe des Mekongs. Die Eckzimmer mit den bodentiefen Fenstern ermöglichten es mir schließlich, noch bis kurz vor dem Einschlafen die wunderbare Aussicht genießen zu können.

Somit war mein Koffer auch schon für die Abreise gepackt – mit vielen materiellen und emotionalen Erinnerungen an die zahlreichen faszinierenden Orte Kambodschas. Erinnerungen, die ich zuhause auspacken und immer wieder mal in die Hand nehmen werde.